Hallo, da ich nun zweimal darauf angesprochen worden bin, was bei meiner „Leserschar“ (oder spricht man in diesem Fall lieber von versprengtem Häufchen 😉) doch einen großen Prozentsatz ausmacht, möchte ich etwas richtigstellen: Nein, Anthony Noll ist nicht als Gegenentwurf zu Harry Potter zu verstehen oder gar als Ansinnen, Frau Rowling einen erhobenen Zeigefinger zu zeigen, bezüglich ihrer getätigten Aussagen über Transsexualität und wann eine Frau eine Frau ist. (Wovon ich übrigens erst von diesen zwei Lesern erfahren habe.) Das ist mir wichtig, müssen doch manche Feuer schnell gelöscht werden, sonst brennt die ganze Hütte ab. Denn auch wenn die Fragen mit großem Lob verwoben waren, das ich genoss, zweifelsohne, so meine ich doch auch einen leichten Vorwurf betreffs Förderung der Verkaufszahlen herausgehört zu haben. Das aber wird mir nicht gerecht. Aus vielen Gründen. Zum einen, wenn man denn um die Verkaufszahlen weiß, wird schnell klar, dass niemand das so wenig im Griff hat wie ich. Und zum anderen, das Zerwürfnis von Frau Rowling mit der Queer-Gemeinde hat sich ja erst in den letzten Jahren verschärft, ich aber habe meinen Anthony schon 2010 begonnen. Immer mit diesem Ende im Blick. Was ich schon deswegen brauchte, nicht damit ich wahnsinnig werde. Und Drittens, was noch viel entscheidender ist, so billig prostituiere ich mich nicht.   

Außerdem, wie komme ich dazu, Frau Rowling den erhobenen Zeigefinger zu zeigen? Sie hat zweifelsohne eines der besten Kinderbücher geschrieben hat, das man auch heute noch lesen kann und soll, auch wenn man womöglich nicht mit allen Facetten ihres Charakters übereinstimmt. Nicht zu vergessen, dass ich ja eindeutig kein solches hingekriegt habe, wie ursprünglich geplant, schon der Sprache wegen, derer ich mich bediene, was einen Grund für Animositäten schon von Haus aus ausschließt. (Man muss das Werk immer frei vom Autor betrachten. Bitte auch in meinem Fall. Wir Schreiberlinge haben nur die Gabe, Seiten mit Leben zu füllen. Wie wir es machen, keiner weiß es. Allerdings ist ein Schreiben ohne Moral die Tinte nicht wert. Was den Kreis derer, die sich so nennen dürfen, natürlich erheblich einschränkt.)

Kurzum, Anthony Noll ist kein Queer-Book, sondern Fantasy. Mehr davon ist kaum vorstellbar. Ist es doch spannendes und unterhaltsames Kopfkino wie es, zumindest in Sequenzen, so noch nicht gedreht wurde. (Ja, ich gebe es zu, ein wenig Handwerk muss auch sein, nicht damit der Leser schon nach 30 Seiten das Buch zur Seite legt. Die ganze schöne Moral wäre ja vergebens. 😉 Die, und hier kommen wir wieder zum erhobenen Zeigefinger, nie zu einem solchen werden darf. Das mag der Leser nämlich nicht und das gehört sich auch nicht für einen guten Autor. Das wahre Botschaft muss immer hinter der vordergründigen liegen. Was mir, obwohl ich mich ja für solch einen guten Autor halte, vielleicht aber nicht immer ganz gelungen ist. (Auch wenn ich Leute kenne, die alle Bände gelesen haben, 6 oder 8, musste der letzte ja wegen dem Umfang in drei Unterbände aufgeteilt werden, die jede Menge Spaß hatten und kein bisschen von dieser Moral gespürt haben. 😉 Na, entweder tut es dann im Unterbewusstsein sein Werk, oder ich bin einfach nur zu kritisch mit mir selbst.)

Aber natürlich es mich freut, wenn Anthony auch als Queer-Buch aufgefasst werden kann. Es war mir nämlich schon immer ein Anliegen, dass man es sich mit dem Zuordnen der Geschlechter nicht so einfach machen kann. Obwohl ich ein weißer, heterosexueller, auf der Nordhalbkugel lebender Mann über 50 bin. Ja, auch hier ist das schnelle Vorurteil nicht richtig. Aber wann ist es das schon? (Wobei ich sofort bitte meine Formulierung, Queer-Book, zu entschuldigen, woran man aber erkennt, dass ich in der Materie nicht wirklich zuhause bin.) Auch wenn sich Anthony ja eigentlich an alle richtet. Zumindest an die, die auch ohne Gewaltorgien Spaß am Lesen finden und es sich eben nicht so einfach machen, mit dem Zuordnen der Geschlechter. Nein, wir sollten nicht auf die herabschauen, die vermeintlich anders sind, schon deswegen, weil in deren Augen sind wir die, die anders sind. Kein Wunder, ist doch jeder einzigartig. Und wenn der LIEBE GOTT keinen Spaß am Experimentieren hätte, dann hätte er es doch unterlassen, oder? (Und diesen leicht erhobenen Zeigefinger erlaube ich mir, auch wenn es ein guter Autor ja nicht macht. 😉Denn Anthony ist ja der beste Beweis dafür, dass zum Menschsein mehr gehört, als nur dem Bettler nicht in den Hut zu spucken.)

Grüße auch von ihm und den anderen.

p.s.: Man merkt, ich bin im Urlaub. Kann aber irgendwie vom Schreiben nicht lassen. Ich glaube, ich muss das demnächst wieder in die altbekannten Bahnen lenken. Denn über zehn Jahre nur für die Schublade zu schreiben hat mir nichtsdestotrotz viel Freude gebracht. Nein, ich will das gar nicht bestreiten. Zumal ein Ende herausgekommen ist, mit dem ich rundum zufrieden bin. Obwohl ich mich natürlich nicht wehre, wenn nun eben diese bereits erwähnten Verkaufszahlen mal endlich in die Höhe schnellen würden. Und zwar so richtig! Erhöht das ja die Wahrscheinlichkeit, dass eine Seele dazukommt, die mir sagt, dass dieses Buch ihr geholfen hat ihren Weg zu gehen. Ihre Einzigartigkeit zu erkennen, aber auch dass sie ohne an die anderen nichts ist. Das wäre mir das mehr wert als Millionen. (Nur scheinbar ein Paradoxon.)