Lange kein Lebenszeichen. Aber in diesen Zeiten fällt es mir schwer, auf mich aufmerksam zu machen. Es gibt wichtigere Dinge. Menschen sterben.
Nun gut, sagt so manch einer, das müssen wir alle mal. Und es trifft ja zumeist nur die Alten. Doch das ist kein Argument. Zumal die Umstände erschreckend sind. Keinen Abschied nehmen zu können und keine Luft mehr in der Lunge zu finden. Der Tod ist immer erschreckend, und in der Tat, vor allem wenn er die Kinder mit sich nimmt, zeigt er sein hässlichstes Gesicht, aber auch dieses ist ziemlich erbärmliches. Und der Staat tut wohl daran, uns alle an unsere Pflicht zu gemahnen, jede mögliche Seele vor diesem Schrecken zu bewahren. Nein, es geht nicht um uns, es geht um die anderen.
So gesehen, ich halte mich an die Abstandsregeln, die Ausgangsspeere, etc. Und sehe es mit großem Wohlwollen, dass so viele andere es auch tun. Was heißt, es ist ziemlich ruhig in meiner Straße geworden. Und da ich schon immer einer war, der nicht groß über die Schläge des Schicksals lamentiert, denn was vorbei ist dann ist es vorbei, niemand kann die Zeit zurückdrehen, mache ich das Beste daraus. Kurzum, ich nehme ein neues Hörbuch auf. (Durch die Ruhe bedingt, geht das jetzt auch tagsüber, und man muss sich nicht in den grauen Morgenstunden aus dem Bett quälen. Und das Wochenende ist geradezu ein Traum.) Wobei es aber diesmal tatsächlich ich bin, der es einspricht. (Allerdings keines aus der Anthony Reihe. Never change a winning team. Das ist Franus Job, wenn er es denn jemals die Zeit und die Muße dafür findet. Ich bezweifle es.) Nein, diesmal verkehrte Welt. Ich spreche ein Buch von ihm ein. Und zwar „Mein Vater, der Präsident“ Das bin ich ihm nämlich schuldig. Auch wenn kein wirklicher finanzieller Nutzen daraus entstehen wird. (Von „Anthony und der goldene Zeigefinger“ sind meines Wissens nach acht Kopien des Hörbuchs verkauft worden. Auf alle Fälle so wenig, dass ich bis heute keine Abrechnung vom Verlag erhalten habe. Der zahlt erst aus, wenn ich 25 Euro Guthaben voll habe.) Natürlich bin ich nicht so gut wie er, und auch bei ihm ist noch einiges an Luft nach oben, wir beide sind ja weder ausgebildete Sprecher noch Schauspieler, aber ich denke, es wird ganz manierlich werden. Schon aus dem Grund, es sind viel weniger Dialoge und Charaktere, somit kein großes Stimmrepertoire nötig.
Er hat das Buch vorher noch einmal durchkorrigiert (nicht viel an Veränderung, der große Schnitt liegt ja schon ein paar Jahre zurück), und ich muss sagen, so wie es dasteht, es liest sich flott und ich wäre froh, wenn ich so schreiben könnte. 😉 Es handelt sich wirklich um Literatur. Ein Jammer, dass es niemand liest. Wenngleich ich gestern, als ich durch Amazon mal wieder einen Kontrollgang machte, wie den unser beider Werke sich so machen (was so jedes halbe Jahr anfällt, besonders in Zeiten in denen man an das Haus gefesselt ist und Langeweile einen befällt), dass das Buch endlich seine erste Bewertung erhalten hat. Nach wie vielen Jahren, fünf, sechs? (Eigentlich ja fast zwanzig, wenn man die ersten Fassungen zu Grunde legt. Die zwar vom Plot her die fünf Punkte allemal verdient hätten, die es zum Glück jetzt erhalten hat, aber handwerklich, wenn man denn ehrlich ist, noch nicht ganz ausgereift waren. Zu viel Redundanz. Jetzt aber ist es aber so etwas von auf den Punkt.) Nein, man kann uns beiden viel vorwerfen, aber dass wir uns unsere Bewertungen erkaufen, das nun wirklich nicht. 😉
Es hat aber natürlich auch einen ganz pragmatischen Grund, dass ich das mache. Denn ein wenig Abstand von dem zweiten Anthony-Band zu nehmen, und vor allem von der Übersetzung, ist nicht ein Verbeugen vor dem Drückeberger in mir, sondern sehr hilfreich. Denn dieses wieder flüssig werden mit der englischen Sprache ist etwas, das man nicht erzwingen kann. Im Gegenteil, dann wird es nur noch zum Graus und man würde es dem Werk anmerken. Denn natürlich könnte ich mich inzwischen wieder unauffällig in einer Stadt wie New York bewegen, wo tatsächlich meine Wurzeln liegen, meine Schwester und mein Vater sind sogar dort geboren, aber zu schreiben, das ist noch einmal ein ganz anderes Paar Schuhe. Womit ich meine: Wirklich gut zu schreiben. Sodass ich eigentlich nur das wiederholen kann, was ich mindestens einmal schon an dieser Stelle erwähnt habe, nach dem Abhören hunderter anderer Hörbücher und am Ende des dritten Bandes werde ich wohl erst sagen können „I got it!“ Wofür ich mir selbst aber Zeit bis Ende des nächsten Jahres gegeben habe.
Keine Panik, der zweite Band wird aber dennoch wohl so um Weihnachten dieses Jahres herauskommen. In jedem Fall lesbar, wenn auch noch nicht perfekt. (Die englische Fassung betreffend. Die deutsche Fassung wird das dann natürlich schon sein, perfekt. Ein wenig rumfeilen und abraspeln, mehr ist schon jetzt nicht mehr zu tun.)
Und Perfektionismus, das ist ja der Zustand zu dem ich strebe. Ich, aber auch Franus. Nein, wir beide müssen nichts Neues erfinden, wir müssen erst einmal das, was wir bereits geschaffen haben, so gut machen, wie es uns denn möglich ist. Zu dieser Mühe sind wir unseren gegenüber Lesern verpflichtet. Es gibt so viel Müll, da müssen wir nicht auch noch dazu gehören. Und wenn handwerklich korrekt, dann langweilige Story langweilig geschrieben. So oft ist das Lesen und das Hören für mich schwere Arbeit, vor dem ich mich dann tatsächlich gerne drücken möchte. (Sorry, einmal mehr politisch nicht korrekt, und eine Krähe soll ja nicht der anderen das Auge aushacken, aber was gesagt werden muss, muss gesagt werden. Ich nenne ja keine Namen.)
Ansonsten, bis demnächst. Grüße auch von Anthony und den anderen, die mir natürlich ihr OK gegeben haben. Vor allem der Baum, was mir sehr wichtig war. 😉