Ich schon wieder. Aber immerhin mit Neuigkeiten. Die Hälfte
ist geschafft, in mehrerer Hinsicht. (Und doch auch nicht.) Das zweite Buch hat nun 40.000 Wörter. Da ich
es, wie schon geschrieben, wohl erst einmal bei den verpflichtenden 80.00 halten
kann, ist somit die Hälfte erreicht. Weil das zweite Buch ja das zweite von
dreien ist, gilt das dann auch auf das gesamte Werk bezogen. Und da ja zum Beginn
des Schreibens am letzten Band noch 271.000 Wörter gefehlt haben für die
Millionen, ist auch hier der Knackpunkt erreicht. (Das erste Buch hat ja 98.000
Wörter.) Der so gut für meine Psyche ist. Denn auch wenn es für jemanden
anderen wie indische Getue wirkt, vielleicht sogar wir kindisches, was es
vielleicht auch ist, dieser Zahlenfetischismus, so hilft es mir. Ich würde sonst
den Überblick verlieren und wahnsinnig werden. Oder um es mit meinen Kritikern zu
sagen, bleiben.

Zum Glück ist es noch nicht so schlimm, dass ich mich dieser
Challenge anschließe, die mir neulich durch Zufall in meinen Fb Account gespült
wurde. Da geht es darum, diesen Monat, oder auch den nächsten, ich lese mir
diese Dinger eigentlich nie genau durch, 50.000 Wörter zu schaffen. Was Leute
posten, die danach tatsächlich noch immer als ernsthafte Schriftsteller
wahrgenommen werden wollen. Denn ich gebe zwar zu, dass ich diese Marke an kreativen
Monaten schon mal reiße, manchmal sogar deutlich, aber eben nur dann. Ich bin
doch keine Maschine. Sodass ich abschließend nur sagen kann, auch Thomas Mann
hat sich gezwungen, jeden Tag mindestens eine Seite zu schreiben, und das merkt
man auch. Weniger ist manchmal doch mehr.

So und nun noch zu zwei anderen Dingen, die in meinem
letzten Post missverständlich waren. Wenn jemand kein Geld hat, dann stört es
mich nicht, wenn er sich die Geschichte von Anthony irgendwo kostenlos herunterlädt.
Wobei meine Definition von Armut aber schon da endet, wenn sich derjenige
vielleicht noch jeden Tag ein Päckchen Zigaretten leistet oder auch nur ins
Kino geht. Denn wenn dafür Geld da ist, warum nicht für Anthony? Dann kann er
auch zahlen, und wenn es nur ein Band ist, oder auch nur jeder dritte.

Und zum anderen, ich jammere nicht, dass die Leute, die
Anthony gelesen haben, nicht öffentlich Reklame für ihn machen. Ich klage sie
auch nicht an. Ich verstehe es einfach nur nicht. (Nichtsdestotrotz behalte ich natürlich im
Kopf, wer für ihn etwas getan hat. Ich bin ein Mensch und das ist zutiefst
menschlich. Wobei ich aber selektiv bin, die, die nichts für ihn getan haben,
an die erinnere ich mich einfach nicht mehr. Auch nicht an die Verlage, die ihn
abgelehnt haben. Da ist aber kein Hass oder Wut in der Richtung, euch wird es
allen noch furchtbar leidtun, wenn er dann berühmt ist. 😉 )

Denn es ist ja kein Buch über eine seltsame Krankheit an
einer seltsamen Körperöffnung oder auch Ausstülpung, wofür man sich schämen
könnte, wenn auch nicht sollte, und man nicht möchte, dass andere davon
Kenntnis kriegen, dass man dieses gelesen hat. Denke ich doch, zumindest von
denen, die bis zum fünften Band durchgehalten haben, dass sie genauso
begeistert sind wie ich. Und ich erzähle nun einmal gerne herum, was mir
gefällt. Poste ich ja schon deswegen jeden Tag auf meiner Francis Linz Fb Seite
ein Lied, denn wenn nur einer dadurch eine Band entdeckt, oder auch nur ein
Lied, das er noch nicht kannte, und dann dafür Geld ausgibt, ist meine Mission
erfolgreich. Wir Künstler müssen nämlich zusammenhalten.

Was mich nun auf eine ganz andere Geschichte bringt. Nämlich
auf die, dass ich neulich sexuell missbraucht wurde ohne es zu merken. Wobei
ich mich jetzt nicht über dieses ernste Thema lustig machen möchte. Nichts
liegt mir ferner, was hoffentlich schon durch meine Übersetzung von Franus
Graueis Werk „Lasst mich trinken das Licht der Sterne“ bewiesen wurde.

Neulich ging ich im englischen Garten spazieren. Wie ich es
so oft mache, besonders wenn ich schreibe. Es hilft mir beim Denken, obwohl ich
gar nicht denke, sondern die Lösungen von Fragen wie von allein plötzlich in
meinem Kopf erscheinen. Da klopft mir jemand auf die Schulter und fordert mich
auf, dass ich die Stöpsel aus meinen Ohren nehmen soll. Was ich auch mache,
habe ich doch Musik gehört. Dann spricht er, er bräuchte mich als Unterstützung
für sein Kunstprojekt. Womit er mich natürlich sofort am Haken hatte. Denn wie
ein paar Zeilen zuvor geschrieben: Wir Künstler müssen zusammenhalten. Ich
willige ein. Dann, wobei mir schon der erste Verdacht hätte kommen sollen, dass
es hier gar nicht um Kunst geht, breitet er ein fleckiges Küchentuch vor mir
aus. Eigentlich weiß, so aber sehr unappetitlich. Und bittet mich, darauf zu
steigen, genau in die Mitte. Was ich mache. Dann nimmt er sein Smartphon, das
bereits wartend in seiner Hand lag, bückt sich und umkreist mich und filmt meine Schuhe. Wobei
er, ohne dass ich ihn aufgefordert hätte, zu erklären beginnt, wobei er sich
seltsamerweise immer mehr ereiferte,
warum er das macht. Es müsse nämlich sein, damit man ihm glaubt, dass ich auf
sein Tuch getreten bin. Dann legt er sogar plötzlich seine rechte Hand auf das
Tuch und fordert mich auf, ich solle auf diese steigen. Was den Verdacht, dass
hier etwas nicht stimmt dann endlich zur Gewissheit machte. Ich lehnte sofort ab, denn
ich steige nicht auf Hände von Menschen, selbst dann nicht, wenn mich die darum
bitten. Vielmehr bin ich einfach gegangen und habe das dann so noch gesagt, dass
ich so etwas nicht mache, allerdings ohne mich umzudrehen. Worauf er mir nur,
geradezu in weinerlich flehendem Ton hinterhergerufen hat : Die Sohlen! Die Sohlen.“
War deren Muster ja noch nicht von seinem Smartphon gefilmt worden.

Nun, auch hier gilt, ich will mich nicht über diesen armen
Menschen lustig machen, und auch nicht darüber woher die Flecken auf seinem Tuch wohl stammten, wenngleich es mir zusteht seine Geschichte zu erzählen,
hat er mich doch in seiner unglaublichen Egozentrik einfach nur benutzt, ich
verstehe es nur einfach nicht. Und das Verstehen der Menschen war mir schon
immer eine Plicht. Bei meinen Freunden aus einem Gefühl der Liebe oder auch des
Mitgefühls heraus, bei anderen vielleicht nur analytisch. Ich will nicht sein
Freund sein, solch schwierige Charaktere meide ich, seitdem ich endlich weiß,
dass sie mir nicht guttun, aber verstehen, wieso es dazu gekommen ist, was
alles dazu beitrug, das halte ich nicht für verkehrt.

Und wohl auch darum, um all dem, was ich sonst noch so nicht
verstehe, einen Gegenpol gegenüber zu stellen, schreibe ich wohl die Geschichte
von Anthony.

Wie immer, Grüße auch von ihm und den anderen.