Über den Autor:

Ich weiß, dass es Leser gibt, die
auf solche Informationen Wert legen: Wer ist er, der die Tinte mit Worten über
die Blätter legt, was hat er bis jetzt so gemacht, war seine Mutter glücklich, ihn
in ihren Armen zu wiegen? Aber außer der üblichen Worte, die überall sonst auch
zu finden sind, ist hier nichts zu sagen. Ich bin unwichtig. Wichtig ist nur
die Geschichte von Anthony. Und die liegt wie ein Gespinst zwischen den Sternen,
auch ohne mich. Ich bin es nur, der sie erzählen darf.

(Wen es wirklich interessiert,
der kann sich ja das Buch von Franus Graueis besorgen: Wie ich den 90°Handstand
schaffte (oder: Wie schwer es ist, ein gutes Buch am Markt zu platzieren) (Es
kostet kein Vermögen.) Denn auch wenn unsere Herangehensweise an die Welt nicht
immer dieselbe ist, (nein, das kann man nicht behaupten), so sind wir uns so
oft ähnlicher als ob wir nur Brüder wären 😉

Über Anthony und seine Freunde:

Nun, wer nicht
weiß, wer Anthony ist, was Sims am liebsten mit ihrer Frisur macht, warum Broms
immer Hunger hat, in welcher Reihe Ramshin zumeist in der Schule sitzt,
warum Glomp, der Diener, irgendwann der wahre Glomp genannt werden wird, was Mathilda
und der Liebe Gott gemeinsam haben und was der Baum über die Gesetze der Zeit
zu sagen hat, der muss natürlich zuerst einmal die Bücher lesen, denn sonst
wird er schnell völlig verwirrt werden, von den Neuigkeiten, all diese sympathischen Abenteurer betreffend, die es obendrauf hier zu lesen gibt. Und nur hier.

Interview:

Für die, die genau wissen wollen, mit wem sie es zu tun haben, habe ich mein erstes Interview angehängt, das ich einst mit der wunderbaren Kata führte, lange bevor ich reich und berühmt wurde. 😉 Da es daher wohl das unverfälschteste ist, wenngleich jeder Autor auch eine Kunstfigur ist, bleibt es für immer. (Leider hat Kata ihren Blog aufgelöst, sodass es dort nicht mehr zu finden sein wird.)

Heute möchte ich euch wieder einmal einen tollen Autor
vorstellen. Es handelt sich um Francis Linz, der mit seiner
„Anthony-Reihe“ mindestens den Nobelpreis verdient hat.

Hallo Francis, ich freue mich sehr, dich heute zum Interview
begrüßen zu dürfen. Würdest du dich bitte einmal unseren Lesern vorstellen?

Hallo Kata, auch ich freue mich auf Dich und Deine Fragen.
Bin allerdings ein wenig aufgeregt. So viele Menschen, die mich betrachten.
Fast ein wenig so wie in der Schule bei einem Referat. Als die Worte nur
stolpernd über meine Lippen die Freiheit fanden. Zum Glück fällt es mir
leichter, sie zu schreiben. Womit wir beim Thema sind. Denn das tue ich nun
schon ein paar Jahre. Schreiben. Zuerst nur für die Schublade. Was sehr
enttäuschend war, aber zurecht geschah. War mein erster Roman ja nur ein
einziges großes Machwerk. (Gott sei es gedankt, so lang zurück in der Zeit,
dass ich mich dafür inzwischen nur noch fremdschämen muss.) Dann aber wurde es
besser. Gilt doch die alte Weisheit: Nur mit dem Schreiben kommt das Schreiben.

Was aber nicht heißt, dass diese Werke dann zu großen
Erfolgen wurden. Zu speziell, wenngleich eines für lange Zeit, Jahre, bei einem
Verlag festlag, letztendlich dann aber doch nicht genommen wurde.

Außerdem, sagen wir wie es ist: ich bin ein lausiger
Geschäftsmann. Mich interessiert das Schreiben und nicht, wie holt man
möglichst viel raus. Oder ehrlicher: Ich bin zu doof dazu, denn ein wenig mehr
dürfte es schon sein. Habe zudem dann zumeist bereits wieder ein neues Projekt
im Kopf, das meine ganze Aufmerksamkeit fordert.

Was zurzeit mein Anthony ist. Er und seine Freunde. Eine
Geschichte, die zwischen den Sternen liegt und die ich Glückspilz zuerst
gefunden habe. Noch nie habe ich etwas lieber geschrieben. Denn das andere war
immer mit einem schielenden Blick auf den Nobelpreis für Literatur, (den alle
Schriftsteller irgendwann einmal haben, die einen am Anfang ihrer Karriere, die
anderen am Schluss), und das ist anstrengend, ihn aber schreibt das Herz. Und
vielleicht bin deswegen endlich auf dem Weg auch ein guter Schreiberling zu
werden. Wer weiß?

So, ich hoffe, ich habe damit mehr gesagt, als wenn ich den
darüber berichtet hätte: Was sind Deine Hobbys? Das ist übrigens die Musik.

Du musst gar nicht aufgeregt sein, wir sind doch unter uns!
🙂 Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen? Waren da einfach Ideen in
deinem Kopf, die dringend aufgeschrieben werden wollten? Oder hast du einfach
überlegt „Ich werde jetzt Autor, der Rest kommt dann“?

Lange Geschichte. Ich habe als Kind viel gelesen. Alle Karl
May, auch die Geschichten aus dem Silberwald, oder so ähnlich, alle Agatha
Christie, etc. Auch das, was man unter Weltliteratur versteht: Tolstoi,
Dostojewski und all die anderen bärtigen Gesellen. Und natürlich Jack London,
den ich auch heute noch für einen der besten Erzähler halte. Wenn man das
Schreiben lernen will, dann bei ihm oder Elias Canetti. Manchmal jeden Tag ein
Buch. Und so war es klar, dass ich das auch irgendwann werden will:
Schriftsteller. War ich ja der Meinung, mir dadurch alles an Bildung angeeignet
zu haben, was man dafür braucht. Was natürlich unsinnig ist, genauso wie dafür
Germanistik zu studieren. Aber ich war ja noch ein Kind. Das ich allerdings
dann sehr lange blieb. Viel länger als andere. Will sagen, bis ich so um die
dreißig war. Und endlich aus dem Blödsinn gelernt habe, den ich bis dahin so
angestellt habe. Überraschend musste ich nämlich feststellen: auch ich bin
sterblich. Zugegeben, eine späte Erkenntnis, aber immerhin. Ein Bukowski bekam
sie nie. Natürlich waren die ersten Versuche ein Verbrechen an der Sprache,
aber ich glaube, das erwähnte ich bereits. (Und sich zu wiederholen, das ist
das Schlimmste, was der Autor seinem Publikum antuen darf.) Aber ich habe
durchgehalten. Und das ist ja das Wichtigste, egal, was man macht. Kurzum, ich
mache das, was ich schon immer machen wollte, und so lange nicht gemacht habe,
weil so viele falsche Götter mich in dunkle Wege lockten. Und was die Idee
betrifft, natürlich muss man einen Plot für ein Buch haben, mir aber hilft es,
das Ende zu kennen. Mehr brauche ich oft nicht. Der Rest ergibt sich. Einfach
durchhalten. (Ach, da wiederhole ich mich ja schon wieder 😉

Das muss für Schriftsteller wirklich furchtbar sein, wenn
die Götter ihnen nicht wohlgesonnen sind und sie aus purer Boshaftigkeit in die
Irre führen. Zum Glück hast du das ja noch rechtzeitig erkannt und bist auf dem
richtigen Weg. Hast du oft an dir selbst und deinem Talent gezweifelt und auch
ans Aufgeben gedacht?

Wenn die Götter in die Irre führen, ist das für niemanden
gut. Auch nicht für die, die noch nicht darum wissen und fröhlich ihr Liedchen
pfeifen. Was die Götter aber nicht aus Boshaftigkeit heraus tun. Sie reichen
uns den Apfel mit dem Wurm und sind nur interessiert daran, ob wir
hineinbeißen. Ganz wissenschaftlich. Viel zu weit sind sie entfernt, als dass
sie uns ernsthaft Arges wünschen. Auch wenn sie manch einen angeblich lieben.
Und damit wären wir beim Talent, das sie diesen Glücklichen obendrauf schenken.
Wenn meines wirklich so groß wäre, dann hätte ich wohl nicht so lange
gebraucht, ganz gute Bücher zu schreiben. Was ich inzwischen tue. Das aber war
harte Arbeit. Denn nur durch das Schreiben kommt das Schreiben. (Ich wiederhole
mich schon wieder, aber diese Plattitüde ist leider so unendlich wahr und darf
deswegen mehrfach gebraucht werden. Auch von einem guten Schriftsteller.) Dass
ich mich inzwischen als einen solchen sehe, schließt aber nicht aus, ob ich
jemals am Zweifeln war. Ungezählt die Stunden. Schon deswegen, würde ich es
nicht tun, würden mich die Götter noch immer in die Irre führen. Und auch heute
noch graut es mir davor, eines meiner vorangegangenen Bücher in die Hand zu
nehmen und einen Fehler darin zu entdecken. (Sofort werden alle mit dem Finger
auf mich zeigen und mich auslachen.) Was bei Anthony zwangsläufig der Fall ist.
Muss ich ja nach dem Abschluss eines neuen Bandes, die alten darauf
untersuchen, ob ich mich nicht einer Wiederholung schuldig gemach habe.
Außerdem sollte jemand, der im Verlauf des ersten Aktes den Arm verloren hat,
im dritten dann nicht plötzlich von seinem Stuhl aufspringen und frenetisch
klatschen. (Ein Spruch von Broms, der zu gut ist, und den ich schon deswegen klauen
musste, auch wenn er ihn in einem etwas anderem Zusammenhang benützt.) Aufgeben
ist allerdings keine Alternative. Wenn ich was anfange, dann ziehe ich es
durch. Zudem bleibt mir auch nicht viel anderes übrig. (Das zu erklären, würde
jetzt aber sicher zu weit führen.) Wenngleich das Durchhalten, besonders bei
Anthony schwer fällt. Sechs Bände nur für die Schublade, das untergräbt gerne
schnell mal die Moral. Und ich muss verdammt aufpassen, dass ich mein
persönliches Empfinden nicht in die Wörter einfließen lasse. Und wenn es nur
unterbewusst ist. Denn es ist ja seine Geschichte und nicht die meine.

Du hast ihn ja bereits mehrmals genannt. Kommen wir auf
Anthony zu sprechen: Wie bist du zu seiner Geschichte gekommen? Wie habt ihr
euch das erste Mal getroffen?

Eine wirklich gute Frage. Mit einer leider ganz banalen
Antwort: Ich weiß es nicht. Vielleicht genügt es zu sagen: Auf einmal war er
da.

Und seitdem erzählt er. Die ersten Jahre nur so, ohne dass
ich ihm so richtig zugehört habe, bis er dann eines Tages plötzlich zu mir
sagte: „Francis, hör auf rumzualbern, ich will, dass Du meine Geschichte
niederschreibst.“ Und das mache ich seitdem. Auch wenn ich ihn darauf
hingewiesen habe, dass meine Art zu schreiben vielleicht nicht die beste für
ihn ist. Er aber hat gesagt: „Das werden wir schon sehen. Ich vertraue Dir.
Außerdem ist die Geschichte so gut, dass niemand das Recht hat, sie zu
überhören.“ Und in der Tat, weil ich ja schon das Ende kenne, das ist sie.

Mit meiner Art zu schreiben, meine ich, ich weiß, dass ich
kein Kinderbuchautor bin. Und fälschlicherweise wird ja so oft angenommen, dass
es sich bei Anthony um ein Kinderbuch handelt. Was es aber genauso wenig ist
wie der kleine Prinz. (Nicht, dass ich mir die gleiche Qualität anmaße, nur zum
Verständnis. Das eine lebt durch seine Kürze, das andere hoffentlich trotz
seiner Länge.) Und somit sind oft die enttäuscht, die statt einfacher Worte
dann die meinen lesen. Und ich wünsche Anthony doch das größtmögliche Publikum.
Nicht nur, weil ich ein wirtschaftliches Interesse daran knüpfe. (Was
hoffentlich schon dadurch bewiesen ist, dass ich gerade am fünften Band
schreibe, ohne dass mein Name bis jetzt auf irgendeiner Bestsellerliste
Erwähnung fand.) Nein, sondern weil es so ist, wie er es sagt, und tatsächlich
niemand das Recht hat, sie zu überhören.

Natürlich könnte ich die Sätze niederbrechen, immer wieder,
bis sie nur noch bequeme Bissen sind. So zumindest hat es ein anderer Autor bei
einer meiner wenigen Lesungen zu mir gesagt. Er könne das, also ich auch. Ich
müsse mir nur Mühe geben. Und dann würde ich auch mehr verkaufen. Wobei er mir
einen nachsichtigen Blick schenkte. Aber wäre das dann noch ich? Wäre das noch
die Geschichte von Anthony? Denn auch wenn ich unwichtig bin, so bin ich eben
doch der, den er zum Erzähler bestimmt hat.

Manchmal bin ich schon ein rechter Glückspilz. Aber auch das
sagte ich schon bereits 🙂

Ich glaube, dass viele davon ausgehen, es handele sich um
ein Kinderbuch, liegt wohl vor allem daran, dass ein Kind bzw. Kinder die
Hauptrolle in der Geschichte spielen. Möchtest du dein Buch und Anthonys
Geschichte vorstellen? Was erwartet den Leser?

Das ist eine schwere Frage. Bin ich ja befangen. In
vielerlei Hinsicht, und wenn es nur ist, weil ich das Ende kenne. Aber was ich
in jedem Fall sagen kann, Anthony ist spannend. Man weiß nie, was im nächsten
Kapitel kommt. Und das trifft es für jeden Band. Schon deswegen, weil keiner
wie der andere ist. (Wozu ich sagen muss, dass das meine Bedingungen waren.
Denn natürlich kann ein Schriftsteller wie ich, dessen Fantasie nie ausgereicht
hätte, eine Geschichte wie diese zu schreiben, froh sein, jemanden wie Anthony
zu treffen, der eben diese Geschichte sein Leben nennt, aber ein wenig Raum
muss auch für mich sein. Zum Glück hat Anthony das verstanden. Ich wollte
nämlich keine Reihe schreiben, in der die Bände austauschbar sind. Da bin ich
etwas eitel. Das machen so viele andere, da muss ich nicht dazugehören.
(Wirtschaftlich dumm gedacht, aber dass ich ein lausiger Geschäftsmann bin,
sagte ich ja bereits :-)) Das ist die eine Sicht. Doch die Geschichte von
Anthony ist natürlich wesentlich facettenreicher. Sie ist nicht nur so
spannend, so dass man das Buch oft nicht aus den Händen legen kann, sie hat
auch Seele. (Wie es mir als Schriftsteller gelungen ist, diese hineinzupacken,
ist mir ein Rätsel. Was aber nicht wundert, denn kein Künstler weiß das. Das
ist etwas, das geschieht oder nicht. Und ist somit vielleicht doch das, was man
Talent nennt und in keinem Kurs lernen kann. Also nichts, worauf ich stolz bin,
weil ich es mir angeeignet habe, wie zum Beispiel eine halbwegs vernünftige
Zeichensetzung, sonder etwas, worüber ich einfach nur dankbar bin. Vielleicht
liegt es aber auch in diesem Fall nur daran, weil Anthony und seine Freunde,
trotz ihrer kleinen Fehler, einfach liebenswert sind.) Oder um es anders
auszudrücken, Anthony ist eine Reihe, die man immer wieder lesen kann. Hat sie
doch, obwohl in ihren einzelnen Teilen so verschieden strukturiert, immer einen
besonderen Ton, der mitschwingt. Und somit ist es irgendwie wie mit den Bildern
von Edward Hopper, jedes anders, doch immer nur ihm zuzuordnen. Oder auch Dali,
Lichtenstein, etc. Was wieder nur unbeholfener Versuch eines Vergleichs ist.
Aber der Tatsache geschuldet, dass ich gerne Bücher mit Bildern vergleiche.
Denn warum ist der eine Krimi gut und wieso betrachtet man ein Bild im Museum
ganz besonders lang? Es ist die Botschaft hinter der Botschaft. Kurzum: Wer ein
spannendes Buch mit einem wirklich guten Plot sucht, ein Buch das schon durch
den Schreibstil etwas anders ist, der ist bei Anthony gut aufgehoben.
Wenngleich es natürlich völlig klar ist, dass es immer auch ein wenig ein
Kinderbuch ist. Oder besser: Ein Erwachsenenbuch in der Verkleidung eines
Kinderbuches. Denn erst wer die Botschaft hinter der Botschaft fühlt, der wird
damit so richtig glücklich.

Ich kann dir wirklich nur zustimmen: Das Buch hat eine ganz
eigene Seele und es sticht sehr aus der Masse heraus. Es ist einfach völlig
anders. Du sagtest, du seist dankbar, dass das Buch eine Seele habe, es aber
womöglich nur daran liege, dass Anthony und seine Freunde Fehler haben. Aber
machen denn Fehler nicht gerade alle Lebewesen aus?

Danke für das Lob! Nein, das ist ein Missverständnis. Wobei
der Fehler wohl auf meiner Seite liegt. Ich wollte das mit der Seele nur etwas
relativieren, nicht dass es heißt: Schaut ihn an den Künstler, fühlt sich wie
Gott, nimmt ein Stück Lehm in die Hand und atmet ihm Leben ein. Auch wenn es in
meinem Fall ein Blatt Papier ist. Wie die Seele in die Bände kommt, ich weiß es
nicht. Wollt damit nur sagen, dass das weniger mit mir zu tun hat, sondern eher
damit, dass die Mitwirkenden alle leben. (Und in der Tat das tun sie, ich kann
dir nicht sagen, was ich für Mühe habe, sie im fünften Band wieder einzufangen
und kann nur hoffen, dass mich Glomp dabei ein wenig unterstützt.) Und damit
hast du völlig recht. Nur Wesen, die Fehler haben, tun das. Und darum auch sind
uns die Götter so fern. Zum Glück!

Als du begonnen hast, Anthony richtig zuzuhören und seine
Geschichte aufzuschreiben: Wie bist du dabei vorgegangen? Hat Anthony zunächst
alles erzählt und du schriebst es nach und nach nieder?

Um Himmels Gottes Willen, nein. Anthonys Gedächtnis ist noch
gut, ich aber bin ein alter Mann 🙂 6 Bände, das könnte ich nie behalten. Es
ist so, am Anfang eines Bandes muss er mir erst einmal den Schluss erzählen.
Nicht weil ich so neugierig bin, sondern weil ich sonst wahnsinnig werden
würde. Denn Anthony, so gut er erzählt, verliert sich oft in tausend
Nebenwegen. Und nur wenn ich den Schluss schon weiß, dann kann ich ihn ein
wenig lenken.

Wobei sich der Vorwurf aber in Grenzen hält, bin ja auch
nicht der Autor, der mit einer großen Pinnwand arbeitet, mit Karteikarten und
tausend Pfeilen. (Deswegen auch Fantasy, da muss man nicht in Bibliotheken
rennen, Leute befragen, recherchieren.) Ich schreibe gern einfach drauflos.
Wohl auch deshalb ergänzen wir uns so gut.

Du musst Dir das so vorstellen, wenn Anthony erzählt, ist es
wie ein Film, der in meinem Kopf abläuft, den ich dann eigentlich nur für alle
anderen niederschreiben muss. Ein Film, von dem ich, wie schon gesagt, zumeist
aber nur den Schluss kennen. Was für mich die Sache dann glücklicherweise fast
genauso spannend macht, wie für den Leser. Und somit bin ich oft selber
überrascht, was zwei Seiten später kommt. Denn das hätte ich nie so gedacht,
gar geplant. Aber Anthony und seine Freunde sind nun einmal, wie Du weißt, auch
wenn es sich zum großen Teil um Roboter handelt, Wesen mit einem eigenen Kopf.
Die lassen sich nur ungern in ein Korsett stecken.

Natürlich habe ich manch Ahnung, oder Anthony hat die ein
oder andere Anekdote schon einmal erzählt, (manchmal ist er ein kleiner
Naseweis und verplappert sich), aber im Großen und Ganzen läuft es so ab. Wobei
es mir nur immer ein bisschen leid für die Leser tut, leidet die Geschichte ja
durch den Umstand, dass ich sie, allein durch die Begrenzung meines
Wortschatzes, nicht zu 100% wiedergeben kann. Aber ich bemühe mich.

Ich finde es wirklich interessant zu erfahren, wie
unterschiedlich Geschichten entstehen. Ganz ehrlich jetzt: Fügst du auch
einfach selbst mal etwas in die Geschichte ein, was Anthony so nie erzählt hat
oder änderst Dinge ab? Wenn ja: Was sagt Anthony dazu, wenn er es bemerkt?

Nein. Schon aus dem Grund, weil ich nicht weiß, was wichtig
ist. Das Ende zu kennen, sagt ja nichts aus über den Weg. Das Einzige, was ich
mache, ist, dass ich Anthony frage, ob das, was er mir gerade erzählt, wirklich
relevant für die Geschichte ist. Und auch das mache ich inzwischen eher selten,
weil ich trotz meiner Zweifel bis jetzt immer eines Besseren belehrt wurde.
Warum ist Kanozplian oder die Steinmenschen so wichtig? (Zweiter und dritter
Band) Jetzt weiß ich es, aber als der Film lief, war auch ich erst einmal
überrascht. Nicht unangenehm, denn das ist ja das schöne an Anthonys
Geschichte, man weiß nie, was im nächsten Kapitel steht, dennoch mit einem
kleinen Fragezeichen im Gesicht. Was aber wiederum ein gutes Buch ausmacht,
meiner Meinung nach. Es stellt immer mehr Fragen, als dass es Antworten gibt.
Und solche Bücher versuche ich zu schreiben. Bücher die man schon deshalb noch
einmal liest. Denn sind alle Antworten gegeben, denkt man nicht mehr nach.
Wieso auch? Der Mörder ist gefasst, der Krimi ist tot. Natürlich heißt das
nicht, dass ich nicht versuche, dem Buch eine gewisse Struktur zu geben. Ab und
zu ein Kapitel verrücke und die richtigen Wörter suche, etc., halt all das mache,
was ein Schriftsteller tun muss. Das ist mein Job. Manchmal auch etwas mehr
Spannung einbauen oder einen Cliffhanger an der richtigen Stelle kreieren. Das
aber war es schon. Sonst verlasse ich mich inzwischen voll und ganz auf
Anthony. Was wohl mit einem großartigen Erlebnis zu tun hat, das wir beide
miteinander hatten. Denn da das Ende ziemlich komplex ist, war mir oft so, als
ob das nicht aufgehen kann. Und das drei Jahre lang, was mich ehrlich gesagt,
fast wahnsinnig gemacht hat. Und so habe ich selbst nachgedacht und
verschiedene Lösungen entworfen, die aber alle letztendlich irgendeinen einen
Haken hatten. Wobei zu allem Überdruss Anthony mir auch nicht geholfen hat,
sondern vielmehr nur immer sagte: „Vertraue mir, so wie ich dir vertraue.“ Was
mir schwerfiel. Und große Zweifel befielen mich. Doch was soll ich sagen, er
hatte Recht. Denn eines Nachts um drei bin ich aufgewacht, wie es bei einem
alten Mann wie mir inzwischen üblich ist, und was somit noch nicht dramatisch
ist, und lag dann erst mal so eine Weile da und habe nachgedacht. Über dies und
über das. Kein bisschen über Anthony und seine Geschichte. Nur über die
Banalitäten meines unbedeutenden Seins. Doch plötzlich, ohne sich anzukündigen,
da saß er auf meiner Brust und sprach: „Es steht alles schon geschrieben. Du
hast das Buch nur nicht richtig gelesen.“ Und so ist. Die Lösung lag immer
schon parat. Auch weil das Problem nie ein Problem war. Das Seil am Boden sah
aus wie ein riesiger Knoten, bis Anthony beide Enden in Hand nahm und sie einfach
auseinanderzog. Und von einer Sekunde auf die andere passte alles. Und das
Komische daran ist, dass ich nicht einmal aufgeregt war, sondern nur gesagt
habe: „Ach ja, damit geht alles auf. Hoffentlich habe ich es morgen in der
Frühe nicht vergessen“, mich umgedreht habe und sofort wieder eingeschlafen
bin. Und erst am nächsten Tag mich von einem Glücksgefühl nach dem anderen habe
berieseln lassen. Insofern, es macht also keinen Sinn, wenn ich mich einmische.
Ich schaue den Film und erfreue mich an den Bildern. Seit dieser Nacht ist eine
unglaubliche Ruhe in mir. Es wird schon alles gut gehen.

Darf ich fragen, was für ein großartiges Erlebnis ihr
hattet?

Oh, Verzeihung, dann habe ich das nicht richtig
rübergebracht. Dass er plötzlich auf meiner Brust saß und mich darauf verwiesen
hat, dass alles schon geschrieben steht. Und zwar so plötzlich, dass es
plötzlicher nicht geht. Und das sage ich, obwohl ich weiß, dass dieses Wort
nicht zu steigern ist. Alle Sorgen waren weg. Ein dunkles Zimmer wurde hell.
Und das nicht wie der Morgen graut, sondern wie mit einem Lichtschalter. Und
ich musste auch nicht blinzeln, alles war klar zu erkennen. Solche Momente gibt
es nur wenige im Leben. Ich kenne keinen zweiten.

So ein Erlebnis kann man sich wirklich nur wünschen! Das ist
wirklich großartig! Und wie ging bzw. geht es dir dabei, eine Geschichte
aufzuschreiben, die nicht die deine ist? Fieberst du mit? Schlägst du entsetzt
die Hände über den Kopf zusammen? Bist du aufgeregt? Als Leserin habe ich
jedenfalls als diese Dinge getan.

Ja, das tue ich! Wie schon geschrieben, bin ich momentan
richtig entsetzt und kann nur hoffen, dass Glomp mir hilft, wieder ein wenig
mehr Moral in den Haufen zu bekommen. Sie sind ja inzwischen keine Kinder mehr
und sollten wissen, dass nicht immer der bequeme Weg der richtige ist.
Allerdings hat Anthony schon so seine Andeutungen gemacht, dass das bereits
passiert ist. Und zwar viel effektiver als ich mir das hätte ausdenken können.
Was mich beruhigt und weiterschreiben lässt. Ansonsten würde ich mich viel zu
sehr aufregen. Ehrlich gesagt, ich habe sogar einmal geweint, (Natürlich nur so
viel wie ein echter Indianer auch geweint hätte.), als ich den ersten Band
verbessert haben und Sims im Keller von Herrn Halsban die seltsamen Zeichen in
den Staub malt. Wohingegen ich immer wieder lachen muss, wenn Anthony und
Mathilda zum ersten Mal ernsthaft streiten. (Dritter Band.) Es ist einfach so
nett. Und somit: Danke für diese Frage, liebe Kata. Denn in der Tat bin auch
ich nur ein Leser der Geschichte. Was aber wohl nur die seltsam finden, die
daran glauben, dass der Autor immer Herr über das Geschehen ist. Die nicht
wissen, dass all die, die zwischen den Zeilen leben, so wirklich sind wie wir.
Denn die Geschichte von Anthony, die gibt es auch ohne mich. Ist doch all das
wirklich so geschehen, und ich nur der Glückliche, der sie zuerst sehen durfte
und sie nun erzählen darf.

Das ist wirklich ein toller Zufall. Kommen wir auf Anthonys
Freunde zu sprechen, die wären Sims, Ramshin, Broms, Glomp und Mathilda und
nicht zu vergessen: der Baum! Durftest du sie auch schon persönlich kennen
lernen?

Nein, leider nicht. Bis nach Robotanien ist es ein weiter
Weg. Zu viel für meine Füße. Aber Anthony hat mir einmal den hellen Punkt am
Himmel gezeigt, wo es liegt. (Fast könnte man meinen, es wäre ein Stern, aber
es ist das Licht einer ganzen Galaxis.) Allerdings musste ich sofort schwören,
es niemanden zu verraten, wegen der Schergen des Imperators. Und auch darum
hält er das Zuhause von Mathilda geheim. Sogar vor mir. Was ich verstehen kann.
Niemand möchte, dass ihn die Grauen Wachen am Genick packen. Wenn der letzte
Band geschrieben ist, dann soll ich aber alle kennenlernen. Ach, ich kann Dir
gar nicht sagen, wie sehr ich mich schon jetzt darauf freue!

Das klingt toll und sollte dich auf jeden Fall zum
weiterschreiben motivieren! Der Baum spielt für Anthony ja eine ganz besondere
Rolle, auch wenn es für diejenigen, die das Buch noch nicht kennen, unglaublich
klingen mag. Magst du das etwas näher erklären?

Ach, das glaube ich nicht. Wer weiß, dass die Wesen zwischen
den Zeilen so wirklich sind wie wir, der weiß auch, dass man mit Bäumen
Freundschaft pflegen kann. Und mehr noch als das, dass sie manchmal sogar mit
einem sprechen. Man muss nur die richtigen Bäume suchen. Nicht alle machen das.
Wobei Anthony natürlich besonders großes Glück hatte. Sein Baum ist ihm noch
dazu ein großer Halt in dieser Welt. Ihm kann er nämlich alles erzählen und er
hört ihm immer zu. Was für Anthony sehr wichtig ist, da sein Verhältnis zu
seinen Eltern, besonders zu seiner Mutter, ja als sehr schwierig zu bezeichnen
ist. (Das Warum, klärt sich im zweiten Band) Wenn ich ehrlich bin, manchmal bin
ich sogar ein bisschen eifersüchtig. Nicht wirklich, weiß ich doch, dass jeder
Mensch das Anrecht auf mehrere Freunde hat. Und je mehr, desto besser, solange
es wahre Freunde sind. Aber ab und zu macht es einen kleinen Stich in meinem
Herzen, wenn Anthony von ihm erzählt und man spürt, wie sehr er diesen Baum
liebt.

Ich denke, dass auch du Anthony ein wahrer Freund bist!
Immerhin vertraut er dir seine Geschichte an. Wenn du die Geschichte von
Anthony hörst, schreibst und liest: Würdest du gerne ein Roboter sein?

Gute Frage, und das gleich auf mehreren Ebenen. Ein Roboter
zu sein auf Robotanien? Schwer zu beantworten. Ich bin ein alter Mann 🙂 , das
wäre wohl viel zu aufregend für mich. Die ständige Angst vor den Grauen Wachen
und der endgültigen Abschaltung, es würde mich schon vorher umbringen.
Vielleicht nur, wenn ich im Besitz der goldenen Hand wäre und mich zu
verteidigen wüsste.

Das wiederum: Wieder jung sein zu dürfen und so wie Anthony
auf dem Weg, mich irgendwann vielleicht auch ein großer Zauberer nennen zu
dürfen, wäre ein Argument. Ich glaube, ich würde sogar die Mühsal des langen
Studiums auf mich nehmen. Wobei ich natürlich einschränkend sagen muss, dass
ich noch nie besonders mutig war. Und meine Bewunderung für das, was er und seine
Freunde leisten, somit sehr groß ist. Dazu wäre ich nicht in der Lage.

Allerdings gibt es da ja dann auch noch die viele andere
Arten von Robotern auf Robotanien, deren Schicksal mich weniger lockt. Denn nur
wenige sind aus der Reihe: X3-Z04, und somit so menschgleich, dass sie oft viel
menschlicher sind als die Menschen selbst. Da lautet meine Antwort definitiv:
Nein.

Und auch auf der Erde nicht. Was aber eher damit zu tun hat,
dass ich hier generell niemand anderer sein möchte als ich selbst. Nicht weil
mein Leben das schönste ist, das die Götter mit einem langen Stab in den
Ufersand gemalt haben, nur darauf wartend, dass die Wellen der Zeit es wieder
löschen und auch alle Erinnerung daran, sondern weil es ganz einfach das meine
ist. Ich habe gelernt es anzunehmen und auch meine Aufgabe darin. Außerdem gibt
es da ja auch noch manch Bild in meinem Kopf, das ich einfach nicht missen
möchte. Manch lachendes Gesicht oder auch als Anthony plötzlich in der Nacht
auf meiner Brust saß. Das alles kann mir kein Lottogewinn und auch kein
Nobelpreis für Literatur kaufen.

Das stimmt allerdings: Es gibt Dinge im Leben, die nicht für
alles Geld der Welt zu kaufen sind. Es ist nicht immer leicht man selbst zu
sein, umso schöner finde ich deine Ansicht, dich so anzunehmen, wie du bist.
Das bringt mich zu einer etwas privateren Frage: Hast du auch die Fähigkeit,
die anderen Menschen in deiner Umgebung so anzunehmen wie sie sind oder bist du
eher ein „Weltverbesserer“?

Die Welt verbessern? Ich bin froh, wenn ich mein Leben auf
die Reihe kriege 🙂 Andererseits, Du hast ja Anthony gelesen, bin ich das dann
doch. Denn auch wenn es seine Geschichte ist, so kann ich mich beim Erzählen
nicht unsichtbar machen. Nehme Stellung zu gewissen Sachverhalten, auch wenn es
eher leise geschieht. (Vielleicht hätte hier auch das Wort subtil gepasst.
Leider hat es immer auch den Ruch der Manipulation. Und die liegt mir wahrlich
fern.)

Das zu tun ist meiner Meinung nach aber nicht verwerflich.
Jedem Autor, der das Schreiben als seine Aufgabe in diesem Leben sieht, ist das
nicht nur erlaubt, sondern es ist ihm eben ein Teil dieser Aufgabe. Neben der,
dem Leser vergnügliche Stunden zu schenken. Wer aber nur das macht und das Geld
sieht oder seinen persönlichen Wert damit steigern möchte, der hat die Pflicht,
die sich mit dieser Arbeit verbindet, nicht begriffen. Denn schreiben ohne
Moral, das ist wie ein Leben ohne Liebe. Oder um es mit Loriot zu sagen: ein
Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.

Ansonsten nehme ich erst einmal jeden so, wie er ist. Ich
hatte noch nie großen Respekt vor Titeln oder ähnlichen Orden. Was mir in der
Jugend so manch Problem bereitet hat. Sollte er oder sie sich im Verlauf dann
aber als doppelter Dummkopf erweisen, erlaube ich mir, das auch so zu benennen.
Zumeist aber gehe ich nur. So viel Zeit habe ich nicht, um sie damit zu
vergeuden. Ich sehe das Schlechte, es hindert mich aber nicht mehr daran, das
Gute zu finden.

Generell sollte man sein Leben ja nicht mit Dingen oder
Menschen vergeuden, die einem nicht gut tun. Das Leben ist zu kurz. Ich würde
dir gerne noch ein paar persönliche Fragen stellen: Magst du lieber Partys,
tanzen und mit Freunden ausgehen oder magst du es lieber ruhiger und für dich?

Das geht schnell. Das mit den Partys habe ich bereits hinter
mir. Vielleicht war es auch nur eine ganz lange, über viele Jahre hinweg. Jetzt
bin ich für das Ruhige. Auch aus gesundheitlichen Gründen. (Träume von meinem
kleinen Schloss an den Klippen, wo ich den müden Blick über das Meer gleiten
lassen kann.) Was nicht heißt, dass ich nicht gern Freunde treffe. Doch auch da
bevorzuge ich da 4-Augen Gespräch. Weil nur da sind wir alle am ehrlichsten.
Was man dem einen verrät, würde man dem anderen so nie sagen.

Das stimmt, und so ein 4-Augen Gespräch empfinde ich auch
als sehr viel entspannter. Wo und wie entspannst du dich am liebsten?

Danke, das Wort: entspannter, trifft es. Bei drei Leuten
muss man die Sätze oft schon kontrollieren. Das erschöpft mich.

Ansonsten entspanne ich in vielerlei Hinsicht. Einfach nur
daliegen und Musik hören. Spazierengehen durch den Park. Gerne auch bei Regen.
Spazierengehen und Musik hören. Oder aber auch, mich mit dem Fahrrad auf meiner
Hausstrecke die erste Hälfte auspowern und dann den Rückweg nach Hause
tritscheln. Meist Musik hörender Weise. Oder ins Museum gehen. Und und und. Im
Entspannen bin ich nämlich ziemlich gut. Habe ich mir aber auch verdient 🙂
Das Leben und die Menschen darin so zu sehen wie ich, ist nämlich ziemlich anstrengend.
Und war es von Anfang an.

Wie ungewöhnlich, im Regen zu spazieren. Die meisten
flüchten lieber ins Trockene 🙂 Was bedeutet dir Familie?

Nun, da möchte ich mit einem kleinen Absatz aus Anthony
antworten: „Und auch die vier Stockwerke waren schnell geschafft, denn wie ein
Gummiball sprang er die Stufen hinab. Er freute sich, auch wenn die Walkers
nicht das waren, was er Freunde nannte oder wie er sich gar Eltern vorstellte;
wenn er sich denn andere hätte wünschen können als die, die er seine eigenen
nannte. Für beides waren sie zu alt. So um die fünfzig. Im Großen und Ganzen
gesehen waren sie aber recht nett. Immerhin schlugen sie ihn nicht. Und in der
Welt, wie er sie kannte, war das ja auch schon etwas wert.“ Familie kann man
sich nicht aussuchen, Freunde schon. Wenn die Familie dein Freund ist, dann ist
alles gut.

Das ist ein wunderschönes Zitat, an das ich mich noch sehr
gut erinnere. Familie kann man sich nicht aussuchen, aber man muss sie nicht
lieben. Welche Farbe ist deine Lieblingsfarbe?

Kurz und knapp: Irgendetwas zwischen grün und blau. Aber
mehr zum Grün hin tendierend.

Dein Lieblingsessen?

Fischstäbchen

Dein Lieblingstier und das Tier, mit welchem du dich am wenigsten
anfreunden kannst?

Ach, diese letzten Fragen sind für mich eigentlich alle so
nicht zu beantworten. Zum Beispiel die Farben. Es gibt so viele von ihnen und
meist entwickeln sie ja erst in Kombination ihre ganze Pracht. Als verhinderter
Maler liebe ich sie alle. Und viel wichtiger ist ja oft, für was sie stehen.
Blaue Orangen? Ich täte mich schwer. Eine grüne Sonne in einem gelben Himmel?
Und oft ist das eine Rot dem anderen Rot so fern, als wären sie schwarz und
weiß. Und dann mag ich ja auch Käsebrot. Oder manchmal einfach nur eine Breze.
Auch Schokolade. Aber Schokolade zum Bier? Das ich allerdings noch nie mochte.
Auch wenn ich viel davon getrunken habe. Oder die Reptilien. In der Tat tue ich
mich mit ihnen schwer. Würde nie welche in meinem Haus halten wollen. Aber vor
wem habe ich mehr Angst, vor dem Krokodil oder vor den Schlangen? Und die
anderen mag ich doch alle. Manchmal wäre ich gern ein Rabe, würde durch die
Luft tanzen. An anderen Tagen ein Albatros, suchte meine Ruhe über den Weiten
des Meeres. Oder auch darunter als Blauwal. Manchmal möchte ich ein flinker
Otter sein. Nur ein Löwe nicht. Es wäre mir zu warm in der Savanne.

Ok, das ist ziemlich einleuchtend, dass du dich nicht so
gerne festlegen möchtest. Aber eine letzte Frage hätte ich trotzdem noch in
dieser Richtung: Hast du einen absoluten Lieblingssatz in deinen Büchern?

Da, da kitzelst Du den Schriftsteller an der richtigen
Stelle. An der Eitelkeit ob seiner Kunst, die Wörter zu jonglieren. Denn in der
Tat, auch ich habe ein paar hübsche Kaskaden geworfen. Glaube aber, es ist
besser, wenn jemand wie Du, die schönsten davon aussucht. Alles andere wäre
dümmliche Nabelpolitur. Nur einen kleinen Absatz aus dem zweiten Band möchte
ich zum Besten geben. Nicht wegen seiner literarischen Güte, sondern weil er
irgendwie für Anthony steht, wie kein zweiter: „Und irgendwie fühlte sich
Anthony wohl bei dieser, seiner Meinung nach, nötigen Richtigstellung. Denn er
wollte in der Tat keine Galaxien retten und erst recht keine Könige vernichten.
Ob böse oder nicht, das war ihm dabei völlig gleich. Er wollte nur ein paar
Freunde in seinem Leben gewinnen, mehr nicht.“ Natürlich ist es auch für mich
ein Genuss, wenn ich einen philosophischen Gedanken oder auch wenig von der
Moral, gut verpacke, bin ich doch selbst beim Lesen von anderen Büchern, ein
Rosinenpicker, der eben ohne diese Rosinen, die Seiten schon bald enttäuscht
zuschlägt. Auch eine lustige, neue Metapher erfreut mich. Sieht doch niemand
mehr bei: Es schüttet wie aus Kübeln, tatsächlich jemand in den Wolken stehen,
der diese Arbeit vollbringt. (Mein Lieblingsbeispiel.) Man liest drüber weg,
weil man durch den häufigen Gebrauch nur noch die Bedeutung sieht. Wichtiger
aber ist mir, ein ganzes Kapitel auf den Punkt zu schreiben. So dass ich das
Gefühl habe: Wow! So wie im ersten Band, als Anthony zum ersten Mal auf
Robotanien erwacht. Oder im dritten, wenn Anthony und Mathilda zum ersten Mal
miteinander streiten. Oder im vierten, als der Körperspringer sich zu erkennen
gibt. Und und und. Das verzeiht die Kapitel, die dann eher nur zum Drüberlesen
sind. Die auch ich habe. Wenngleich ich denke, dass die anderen die Oberhand
behalten. (Auch wieder so ein Bild. Man benutzt es, aber wer sieht dabei
tatsächlich eine Hand?)

In der Tat, viele Bilder verlieren ihren tatsächlichen Sinn,
weil es nur noch einen übertragenen gibt. Wir sollten tatsächlich wieder öfter
über unsere Redewendungen nachdenken! Francis, ich danke dir ganz herzlich,
dass du dir Zeit und Geduld genommen hast, dich meinen Fragen zu stellen. Es
hat mir sehr viel Spaß gemacht
!

Liebe Kata, ich denke, dass es eher an mir ist, mich zu
bedanken. Dass Du mir den Raum schenkst, mich und Anthony Deiner Welt
vorzustellen. Zuerst dachte ich ja, ich könne das nicht. Aber Du hat es mir
einfach gemacht, dass es mir oft war wie ein Gespräch unter 4-Augen. Ein
Gespräch unter Freunden. Danke! Francis

Aber natürlich auch herzliche Grüße von den anderen:
Anthony, Sims, Ramshin, Broms, Mathilda und Glomp. Und nicht zu vergessen: Dem
Baum!